Zur Geschichte der Schule

Klassenfoto vor der Schule Nachrodt-Obstfeld ca.1905
Klassenfoto vor der Schule Nachrodt-Obstfeld ca.1905

Ursprünglich existierte auf dem heutigen Gebiet unserer Doppel- gemeinde lediglich eine Schule in Wiblingwerde. Seit 1672 kann definitiv von dem Vorhandensein eines Schulbetriebes in Wiblingwerde ausgegangen werden. Die Sicherheit bezieht sich auf einen Eintrag aus dem Jahr in das Protokollbuch der Süderländer Classis. Der Einzugsbereich der Wiblingwerder Schule umfasste für mehr als zwei Jahrhunderte alle Höfe und Niederlassungen des gesamten Kirchspiels. Dieses erstreckte sich sowohl  über die Wiblingwerder Hochfläche als auch im Lennetal vom Hünengraben bis Nachrodt Obstfeld, m.a. W. alle Höfe und Weiler, die am linken Lenneufer liegen.

Besonders im Winter war dies ein sehr beschwerlicher Weg für die Kinder aus Nachrodt. Deshalb stellten in den Wintermonaten einige Nachrodter Bürger Räume zur Verfügung, in denen die Kinder während der kalten Jahreszeit unterrichtet werden konnten.
Über die Mühen der Einhaltung der Schulpflicht in dieser Zeit, in der viele Bauern auch ihre Kinder nicht zur Schule schickten, da sie deren Hilfe bei Saat und Ernte benötigten, findet man ausführliche Erläuterungen in der Wiblingwerder Schulchronik.

Gründung einer Schule in Nachrodt:

Schule Obstfeld-Nachrodt
Schule Obstfeld-Nachrodt 1938

Erst im Jahre 1830 entstand in Nachrodt für etwa 20 Schüler eine Privatschule, die 1838 in eine öffentliche Schule umgewandelt wurde. Noch immer fand der Unterricht in einfachen Nebengebäuden von Bürgerhäusern statt.

1862 konnte die erste Schule in Nachrodt, die  „Schule Obstfeld”, eingeweiht werden. Sie befand sich im heutigen Gebäude einer Versicherung an der Ehrenmalstraße und hatte nur einen Klassenraum für 8 Jahrgänge (ca. 80 – 90 Schüler).

Durch den Aufschwung der Industrie stieg die Einwohnerzahl und damit die Schülerzahl stetig an. So wurde im Jahr 1881 eine zweiklassige Schule errichtet. Sie befand sich an der Schulstraße und nannte sich „Schule zu Nachrodt”. Heute befindet sich in dem Haus eine Zahnarztpraxis.

Als auch diese Schulen zu klein wurden, errichtete man 1906 unsere jetzige Schule an der Ehrenmalstraße mit vier Klassenräumen. Sie wurde 1953 um vier Klassenräume erweitert und 1996 durch einen behindertengerechten Neubau mit vier Klassenräumen und einer großen Aula ergänzt.

Für die katholischen Schulkinder wurde 1909 eine zweiklassige Schule (heute Bücherei) errichtet, sie hieß „Schule Obstfuhr”.

Im Jahre 1968 vollzog sich im Zusammenhang mit der Schulreform die Teilung der „Volksschule” in Grund- und Hauptschule.
In Nachrodt-Wiblingwerde entschloss man sich für Gemeinschafts- schulen. So können nun alle  Nachrodter Schüler die Grundschule an der Ehrenmalstraße besuchen.

Katholische Volksschule Nachrodt
Katholische Volksschule Nachrodt ca. 1937

Für alle Hauptschüler der Gemeinde entstand 1971 am Holensiepen ein großes Gebäude: die „Albert-Schweitzer-Hauptschule”, nun mehr abgelöst von der Sekundarschule Nachrodt-Altena.

Auch in Wiblingwerde unterlag die Grundschule einem stetigen, gesellschaftspolitisch und demografisch bedingtem Wandel:

Die das ganze Land betreffenden Verordnungen und Verfügungen gingen aus vom „Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten“ in Berlin, gelangten an die Königliche Bezirksregierung und die Königliche Kreisschulinspektion und von dort an die örtliche geistliche Schulaufsicht, den Localschulinspector.
Dieses Amt verwaltete in Wiblingwerde der jeweilige Pfarrer.

Durch eine Regierungsverfügung trat 1876 eine Erweiterung des Verwaltungsapparates insofern ein, als ein Gemeindebeamter, der Amtmann oder Bürgermeister, als staatliche Mittelinstanz zwischen Kreis-Schulinspektion und dem Ortsschulvorstand eingesetzt wurde.
Der Bürgermeister fungierte als „praeses in externis“ und der Ortspfarrer als „ praeses in enternis“.
Sie beide standen dem Ortsschulausschuss vor.

Evangelische Volksschule Nachrodt
Evangelische Volksschule Nachrodt

Den Ortsschulausschuss bildeten eine Anzahl gewählter Schulväter. Sie trafen die für die Schule bedeutsamen Entscheidungen:
Einstellung eines neuen Lehrers, die Höhe des Lehrergehaltes, Bewilligung von Schul-, um-, an- und neubauten, Reparaturen und ähnliches.
Auch nahm der Ortsschulvorstand die Oster- und Michaelisprüfung der zu entlassenen Schüler und Schülerinnen ab.
Die Beschlüsse des Ortsschulvorstandes mussten durch ein erweitertes Gremium, die Repräsentantenschaft, bestätigt werden.
Der Lehrer hatte in beiden Gremien weder Sitz noch Stimme. Er unterstand voll und ganz dem Kuratel des Pfarrers; denn die Wiblingwerder Schule war eine typische Küsterschule, d. h. den Lehrer berief man nicht nur in ein Lehramt, sondern ihm übertrug man auch kirchliche Funktionen.

Evangelische Volksschule Nachrodt
Evangelische Volksschule Nachrodt

Mit der durch den tragischen Ausgang des I. Weltkrieges bewirkten Staatsumwälzung kam die jahrhundertealte Doppelfunktion zum Erliegen, es sei denn, der Lehrer behielt aus Konvention und Überzeugung die Organistentätigkeit bei.
Seit Nov. 1918 verloren die Geistlichen ihre Ortsschulinspektionsaufgabe.
Dafür setzte die Regierung nun ausgebildete Pädagogen als Schulaufsichtsbeamte ein.
Was seitens der hiesigen Lehrerschaft sehr begrüßt wurde, stieß bei der Geistlichkeit und einem Großteil des Kirchenvolkes auf Skepsis und schließlich zur offenen Ablehnung.
Die seit 1922 schwelende Auseinandersetzung artete 1926 im Kampf um den Erhalt der Bekenntnisschule zu einem Schulstreik aus, bei dem die Eltern ihre Kinder nicht zur Schule schickten.
Nach Beilegung der Streikursache konnte die Schule unter staatlicher Aufsicht der Erfüllung ihrer Lehr- und Erziehungsaufgabe  ungestört nachgehen.

Arbeit am Sandkasten in der evangelischen Volksschule Nachrodt ca.1937
Arbeit am Sandkasten in der evangelischen Volksschule Nachrodt ca.1937

So wie sich im Laufe der Jahrhunderte die Schulverwaltung geändert hat und aus der ev. Volksschule Wiblingwerde eine Gemeinschafts-grundschule geworden ist, so wenig besteht heute noch das historische Schulgebäude.
Die ganz alte Schulstube  von 1672, die an dem Küsterhaus angebaut war und die Brände des Dorfes von 1690 und 1709 (Landmann, Chronik Wiblingwerde) überstanden hatte, wurde 1820 abgebrochen.
Ein größeres Schulhaus aus solidem Steingemäuer, mit einer Lehmdecke und einem teils mit Stroh, teils mit Steinen gedecktem Dach (Lagerbuch 1830) stand nur bis 1938. Wieder war ein größeres Gebäude notwendig geworden.
An dem Neubau beteiligte sich die Schulgemeinde in finanzieller und materieller Hinsicht.
Einige wohlhabende Bauern waren verpflichtet, Stroh, Ruten und Bindeweiden zu liefern.
1893 musste die 1839 errichtete Schule einer noch größeren weichen.
Jetzt entstand der Südflügel des heute noch bestehenden Schulgebäudes.
Dieses erfuhr 1953/54 eine nach Norden hin geführte Verlängerung in Achsenrichtung.
Die Schule beherbergt heute noch 4 Klassen.

Durch die rückläufigen Schülerzahlen im Bereich Wiblingwerde und auch leichte Rückläufe in Nachrodt, wurde im Sinne einer langfristigen Schulentwicklungsplanung zum Schuljahr 2013/14 ein Schulverbund beschlossen. Die Grundschule Wiblingwerde wurde als eigenständige Schule aufgelöst und existiert in den bisherigen Räumlichkeiten als Teilstandort der Gemeinschaftsgrundschule Nachrodt-Wiblingwerde weiter.

 

Bildnachweis: Alle Fotos auf dieser Seite stammen aus dem Bestand des Kreisarchivs des Märkischen Kreises .

  1. Kreisarchiv des Märkischen Kreises, F 4339
  2. Kreisarchiv des Märkischen Kreises,F 5433
  3. Kreisarchiv des Märkischen Kreises,F 5395
  4. Kreisarchiv des Märkischen Kreises,F 5397
  5. Kreisarchiv des Märkischen Kreises,F 5398
  6. Kreisarchiv des Märkischen Kreises,F 5399